Kolumbien

Familienausflug auf «kolumbianisch»

von Stefanie Díaz Díaz

Samstag morgen, 7 Uhr in Bogotá, Kolumbien. «Levántense, vamos pa' Melgar!» Das habe ich natürlich nicht verstanden, es ist Spanisch, und frage meinen Freund was denn passiert sei. Dieser antwortet: «Wir machen einen Ausflug nach Melgar, etwa zwei Stunden von hier." Ich entgegne: «Aber das war doch gar nicht geplant!» Worauf er mich lächelnd ansieht und sagt: «Ja, wir sind aber in Kolumbien, da ist man spontan.»

Als ich die Treppe herunterkomme sind alle bereits angezogen und startklar. Ich frage meinen Freund ob wir noch gemeinsam frühstücken, so wie ich es aus Deutschland gewöhnt bin, aber nein, das täten wir wohl auf dem Weg. Allerdings gibt es &ndash ganz wichtig &ndash noch einen «jugo». Seit einer Woche bin ich bei der Familie meines Freundes in Kolumbien und jeden Tag gibt es einen anderen frisch gepressten «jugo» aus Früchten, die ich noch nicht kannte und die es wohl auch nicht in Deutschland zu kaufen gibt.

Wir fahren nun schon eine Stunde scheinbar ziellos durch die Stadt. Dort noch kurz anhalten, da noch ein kleiner Schwatz, hier noch etwas Süßes ein­kaufen… Wollten wir nicht raus aus der Stadt? Und dieser Verkehr, unfassbar, dass wir es überhaupt irgendwann auf die Landstraße schaffen. Das waren doch mindestens zehn fast-Unfälle. Doch zum Glück fühlt sich für die Kolumbianer ein Meter ungefähr doppelt so lang an.

Eine halbe Stunde sind wir unterwegs in dieser wundervollen Andenlandschaft, da gibt es die erste Pause bei einem der tausend kleinen Ladenrestaurants an der Straße. Mein Freund reicht mir ein mit Käse und Schinken belegtes Brötchen. Super, denke ich, beiße ein Stück ab und: nur ein Brötchen aus süßem Hefeteig. Brötchen reingezwungen, weiter geht's.

Gefühlte 15 Minuten später die nächste Pause. Mittlerweile sind wir fast 800 Meter tiefer im Gebirge, und als wir aussteigen ist der kühle Wind in Bogota einer angenehmen feuchten Wärme gewichen. Grund genug für alle, das erste Bier mit Limetten zu trinken, selbstverständlich den Vater meines Freundes einge­schlossen, der fährt. Man fragt, warum ich so besorgt dreinschaue und als ich antworte in Deutschland sei es verboten Alkohol am Steuer zu trinken, lachen alle und sagen dass das nur Bier sei.

KOLUMBIEN: Familienausflug nach Melgar

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Weiter fahren wir also durch die Berge und das Grün will kein Ende nehmen. Sicher, das deutsche Alpenvorland mit ähnlich hohen Bergen ist auch nicht schlecht, aber die Kombination von Bergen und Palmen scheint mir ab diesem Moment unschlagbar. Nach einer weiteren Stunde kommen wir in Melgar an und essen zunächst einmal zu Mittag. Es gibt «zopa» mit Hähnchenfleisch, Koch­banane, Kartoffeln und Bohnen, dazu Bier mit Limetten.

Den restlichen Tag verbringen wir in einem paradiesisch anmutenden Freibad. Wir schwimmen inmitten von Bergen und Palmen. Das Becken besteht aus weißem Stein und Naturfliesen und ist mit grün-blauem Bergwasser gefüllt. Was ich vorher nicht wusste: Zu einem kolumbianischen Paradies gehört scheinbar auch «Aguardiente Antioqueño» ein verdammt leckerer Anisschnaps. Als ich nach dem dritten «Du-gehörst-jetzt-zur-Familie-und-musst-mit-uns-trinken»-Schnaps sage, ich würde viel zu schnell betrunken, als dass ich weiter machen könnte, zählt das natürlich nicht.

Schon leicht beschwipst fahren wir am späten Nachmittag zurück. Diesmal gibt es nur eine Pause, eine ziemlich lange, bei der wir schmackhafte «arepas» (Mais­fladen) und (alle, außer mir) «morzilla» (Blutwurst) essen. Nach weiteren fünf Schäpsen spreche ich plötzlich Spanisch und kann im Auto auf der Heimfahrt sogar die Vallenato-Lieder mitsingen. Um elf Uhr abends sind wir zurück in Bogotá, wir sind alle totmüde aber eine Runde Telenovela geht noch. Zwar gehe ich mit einer Kopfschmerztablette und einem Glas Wasser ins Bett, doch träume ich noch lange von meinem Familienausflug auf «kolumbianisch».

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