Wissenswertes zur Sprache

Besonderheiten in Lateinamerika

Lateinamerika Der Begriff Lateinamerika be­zeichnet die amerikanischen Län­der südlich der USA und umfasst damit Nordamerika, Mittel­ameri­ka und Karibik sowie Süd­ameri­ka. In den meisten Ländern dieser Region wird Spanisch als Mutter­sprache gesprochen. Da es sich hierbei um ein großes zusammenhängendes Gebiet handelt und die Kolonialisierung durch die Spanier schon vor langer Zeit stattfand, entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein eigenständiger Sprachraum. Dadurch weist das lateinamerikanische Spanisch heute einige markante Abwei­chungen zum kontinental­europäischen Spanisch auf.

Abweichungen im Wortschatz

In der Schrift- und Verkehrssprache sind diese relativ gering, die Um­gangssprachen und Dialekte der einzelnen Länder unterscheiden sich dagegen teilweise recht deutlich in der Aussprache und auch im Vokabular. Einige Wörter haben in Amerika einen Bedeutungswandel durchlebt. Viele Abweichungen sind auch auf die regional sehr unterschiedlich stark geprägten Einflüsse der Urein­wohner zurückzuführen. Vor allem im Norden Mexikos, der Karibik, Zen­tral­amerika und Venezuela sehr deutlich spürbar sind die im Vergleich zu Europa viel stärkeren Einflüsse des Englischen auf den spanischen Wortschatz. Das latein­amerikanische Spanisch wird von den Europäern oft als veraltet oder histori­sierend empfunden, entspricht es doch in Teilen noch der zur Koloniali­sationszeit üblichen Sprache.

Grammatikalische Merkmale

Bei der Grammatik dagegen ist es recht überschaubar, bis auf die folgenden Besonderheiten in der Verwendung der Vergangenheitsformen und dem soge­nannten «Voseo» sind keine nennenswerten Abweichungen zum europäischen Spanisch festzustellen:

  • Die Vergangenheitsform Pretérito Perfecto (he comprado) ist eher unge­bräuchlich, stattdessen wird meist das Pretérito Indefinido verwendet (compré).
  • Die in Spanien nur als Höflichkeitsform (etwa mit dem «Siezen» im Deutschen vergleichbar) verwendete Anrede «usted(es)» ist in Lateinamerika die standardsprachliche und allgemein verbreitete Anredeform, unabhängig von Sprachebene oder Vertrautheit der Person. So wird die 2. Person Plural im amerikanischen Sprachraum überhaupt nicht benutzt und stets durch die Anrede in der 3. Person ersetzt, aus «vosotros» wird also immer «ustedes». Auch im Singular ist die Anrede in der 2. Person mit «tú» in manchen Gebieten weniger gebräuchlich (oder gilt als unhöflich) und man greift eher zur 3. Person mit «usted».
  • Eine argentinische Besonderheit, die sich zum Teil auch in einigen anderen Regionen Lateinamerikas (Paraguay, Uruguay oder Guate­mala) findet, ist der so genannte «Voseo». Hierbei wird anstelle des Personal­pronomens tú in der 2. Person Singular das Pronomen vos (historisch für Ihr) verwendet. Die Verben werden dann anders konjugiert, aus tú eres (Du bist) wird beispielsweise vos sos. Die Regeln des Voseo werden regional unter­schiedlich angewandt, so sind etwa auch Varianten wie vos tomás, vos tomas und vos tomá für das Standardspanische tú tomas möglich.

Der Klang als Erkennungszeichen

Ein besonders charakteristisches Erkennungszeichen lateinamerikanischer Sprecher ist die vom europäischen Spanischen stark abweichende Sprachmelodie. Die Unterschiede in dieser Beziehung sind jedoch zwischen den Sprachräumen der Andenregion, den La-Plata-Dialekten, Mexiko und Zentralamerika sowie den karibischen Dialekten praktisch ebenso groß wie gegenüber dem Kontinentalspanischen, sodass sich keine allgemeinen Regeln definieren lassen.

Quelle: Wikipedia

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